
DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam zeigt im Herbst 2025 die Ausstellung Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau. Gastkurator Kito Nedo widmet sich in der Gruppenausstellung der Frage, wie die ostdeutschen Plattenbau-Siedlungen in der Kunst verhandelt werden. Präsentiert werden Installationen, Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und Filme, die seit den 1970er-Jahren entstanden sind. Kito Nedo versammelt in der Ausstellung Arbeiten, die den Plattenbau unterschiedlich betrachten und einordnen – als Ort des Wohnens, als Symbol sozialer Utopien und als Projektionsfläche gesellschaftlicher Veränderungen. Dabei steht der Plattenbau nicht nur als architektonisches Erbe im Zentrum, sondern als kultureller Resonanzraum, der Fragen nach Zugehörigkeit, Gemeinschaft und Erinnerung aufwirft. Die Ausstellung verzahnt dabei künstlerische Arbeiten mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen und reflektiert, wie sich urbane Räume auf Lebensentwürfe und soziale Gefüge auswirken.
Wohnkomplex eröffnet neue Perspektiven auf ein Bau- und Lebensmodell, das bis heute nachwirkt. Ursprünglich war der Plattenbau das Herzstück der DDR-Sozial- politik, ein Ort der Vergesellschaftung und ein Symbol für den realsozialistischen Fortschritt – bis 1990. Nach dem Ende der DDR wurde er zum Schauplatz schmerzhafter Transformationen und zum Sinnbild für sozialen Niedergang und rassistische Gewalt. Als moderne Ruinen warteten die Gebäude auf ihren Abriss, wurden saniert oder umgebaut. Der Plattenbau ist nie zum Denkmal geworden, sondern gelebte Gegenwart geblieben. Er ist ein DDR-Erinnerungsort, an dem das Wohnen weitergeht.
Die Serie „P2" von Sibylle Bergemann zeigt die unterschiedlich eingerichteten Wohnzimmer desselben Häuserblocks des industriell hergestellten Plattenbaus in Berlin-Lichtenberg. Das Kürzel „P2" steht für eine Wohnungsbaureihe, die Anfang der 1960iger vom Institut für Hochbau der Bauakademie entwickelt wurde und die das Wohnen mit offenen Grundrissen neu definierte. Durch den Einsatz von Spannbeton war es möglich Grundrisse ohne tragende Zwischenwände zu bauen. Die Platten wurden industriell hergestellt und dann montiert. In kurzer Zeit wurden schnell und preiswert Wohnungen bereitgestellt. Die neue Innenaufteilung, welche die Küche nicht vom Wohnraum trennte, weichte auch die üblichen Geschlechterrollen zwischen Frau und Mann auf: Die Frau war nicht mehr in der Küche isoliert und der Mann sollte zur Hausarbeit animiert werden.
